
Simon Kissinger
Hauptlehrer a.D., geboren am 18.02.1859 in Rödelsee, Kr. Kitzingen, verwitwet, gestorben am 15.02.1939 in München (26. Shevat 5699).
ElternAbraham Kissinger, Kaufmann in Rödelsee, Verwalter des örtlichen jüdischen Friedhofes, Fanni, geb. Stern
Geschwister
- Jeanette verheiratete Wolf, geboren am 23.10.1851, in Rödelsee
- Joseph, , geboren am 28.10.1852, in Rödelsee# , gestorben am 14.01.1939 in Frankenwinheim.
- Jette verheiratete Bravmann, geboren am 10.07.1854, in Rödelsee# , gestorben am 28.05.1939 in Würzburg.
- Maier, geboren am 17.10.1856, in Rödelsee
- David, geboren am 13.06.1860, in Rödelsee# , gestorben am 23.07.1947 in Stockholm.
- Karoline, geboren am 09.08.1861, in Rödelsee# , gestorben am 20.10.1861 in Rödelsee.
- Philippine verheiratete Samuel, geboren am 19.09.1862, in Rödelsee
- Karoline verheiratete Fromm, geboren am 04.01.1866, in Rödelsee# , gestorben am 12.11.1915 in Nördlingen.
- Heirat am 01.01.1884 in Urspringen mit Babette Fränkel, geboren am 18.03.1859 in Urspringen, gestorben am 01.01.1919 in Urspringen.
- Irma, geboren am 12.10.1889 in Urspringen
- Ferdinand, geboren am 13.10.1891 in Urspringen
- Fanny (Franziska), geboren am 07.03.1893 in Urspringen
- Julius, geboren am 07.11.1894 in Urspringen
- Jenny, geboren am 01.01.1896 in Urspringen
- Bella, geboren am 13.11.1897 in Urspringen
- Salomon, geboren am 13.03.1888 in Urspringen
- Abraham
Adressen in München Zugezogen am 01.02.1939 von Würzburg, Sanderstraße 5
- Bürkleinstraße 16 , Kissinger
Simon Kissinger kam als Sohn der Kaufleute Abraham und Fanni Kissinger am 18. Februar 1859 im unterfränkischen Rödelsee zur Welt. Nach seiner Ausbildung an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt (ILBA) in Würzburg trat er mit 20 Jahren eine Stelle als Lehrer an der Israelitischen Elementarschule in Urspringen an. 1884 heiratete er Babette Fränkel. Das Paar bekam zwischen 1888 und 1897 sieben Kinder, darunter die Söhne Ferdinand und Julius, die wie ihr Vater Lehrer wurden. Simon Kissinger war im ganzen Ort bekannt und geachtet. Er engagierte sich als Lehrer, Kantor und Vorbeter in der Jüdischen Gemeinde. Anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums im Lehramt erhielt er 1903 die Ehrenbürgerschaft von Urspringen. Weil sich für ihn kein Nachfolger fand, arbeitete er nach seiner Pensionierung weiter und setzte sich erst 1929 zur Ruhe.
In den 1930er Jahren verließ Simon Kissinger seinen Heimatort und zog zu seinen Söhnen Julius und Ferdinand nach München. Er lebte gemeinsam mit Julius Kissingers Familie in einer Wohnung im ersten Stock der Bürkleinstraße 16 (heute 20). Mit fast 80 Jahren musste er noch erleben, wie Ferdinand Kissinger im Zuge der „Kristallnacht“ am 10. November 1938 in das Konzentrationslager Dachau verschleppt und erst im Dezember freigelassen wurde.
Simon Kissinger starb am 15. Februar 1939 an Grippe und wurde auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München beigesetzt. Von seiner großen Familie überlebten nur wenige die NS-Zeit: Seine Töchter Irma und Bella emigrierten nach New York, seine Tochter Jenny ging nach Palästina. Alle anderen Kinder wurden ermordet, auch seine Söhne Ferdinand und Julius Kissinger sowie dessen Frau Jenny und die beiden Kinder Albert und Manfred. (Text Felicia Englmann, Lektorat C. Fritsche)
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