Anna Paroubeck, geb. Graf
Kauffrau, geboren am 19.05.1870 in Celechovice, Mähren (heute: Tschechien), verwitwet, deportiert am 23.07.1942 aus München nach Theresienstadt, ermordet am 15.09.1943 in Theresienstadt (15. Elul 5703).
ElternEmanuel Graf, Maria Graf, geb. Lederer
Ehepartner
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Heirat am 24.01.1900 in München mit Anton Paroubeck, geboren am 04.01.1875 in Taus, Böhmen (heute: Domažlice, Tschechien), gestorben am 13.08.1932 in München, Großhadern.
Die Ehe galt als Mischehe.
- Emilie, geboren am 28.11.1904 in München
Adressen in München Zugezogen am 04.04.1897
- Dreifaltigkeitsplatz 3 (seit 04.04.1904)
- Großhadern, Lindenallee 3 (seit 03.06.1921) (bis 01.11.1936)
- München-Großhadern, Münchner Straße 5 (seit 01.11.1930) (bis 01.09.1932)
- Großhadern, Heiglstraße 32 (seit 01.09.1932) (bis 29.07.1942)
Anna Paroubek, geborene Graf, kam am 19. Mai 1870 in Czellechowitz (heute als Čelechovice Teil der Stadt Stochov) zur Welt, einem Ort im damaligen Österreich-Ungarn östlich von Prag. Sie wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Noch vor der Jahrhundertwende zog sie auf der Suche nach Arbeit nach München. Dort lernte sie den katholischen Herrenschneider Anton Paroubek kennen, der ebenfalls aus Böhmen stammte. Am 24. Januar 1900 heirateten die beiden. Anna Paroubek gehörte zwar dem jüdischen Glauben an, praktizierte ihn aber nicht. Ihre Tochter Emilie, 1904 geboren, wurde katholisch erzogen.
Anton Paroubek hatte in München eine gut gehende auf Uniformen und geistliche Kleidung spezialisierte Schneiderei. Anna Paroubek arbeitete im Geschäft ihres Mannes mit. Sie liebte das Theater und die Oper, Tochter Emilie bekam Musikunterricht. 1921 zog die Familie in die Lindenallee 3 im damals noch eigenständigen und ländlich geprägten Großhadern. Dort lebte sich die Familie rasch ein: Emilie wurde Mitglied im Sportverein, Anton Paroubek war ein geselliger Zeitgenosse und pflegte eine enge Freundschaft mit dem Dorfpfarrer. 1925 erhielten die Paroubeks die deutsche Staatsbürgerschaft. Im August 1932 starb Anton Paroubek nach längerer Krankheit. Seine Frau gab die Schneiderei auf und zog in eine kleinere Wohnung in der Heiglstraße 32.
Mit Beginn der NS-Herrschaft begann sich das Leben von Anna Paroubek zu verengen. Obwohl ihre Tochter Emilie mit ihren drei Kindern direkt nebenan lebte, durfte sie sie nicht besuchen, denn der Vermieter duldete kein Jüdin im Haus. Ab 1938 verschärften sich die Repressionen. Anna Paroubek musste fortan den Zwangsnamen „Sara“ führen. Als sie ab September 1941 in der Öffentlichkeit den Judenstern tragen sollte, verließ sie ihre Wohnung nicht mehr.
Am 23. Juli 1942 deportierte die Gestapo Anna Paroubek zusammen mit 49 weiteren Menschen in das Ghetto Theresienstadt. Die Finanzbehörden zogen ihr gesamtes Vermögen ein und ließen das Inventar ihrer Wohnung zu Gunsten des Deutschen Reiches versteigern. Emilie Paroubek kaufte bei der Auktion einen Zierschrank ihrer Mutter, ein altes Erbstück, das noch heute in Familienbesitz ist. Da die SS Anna Paroubek in Theresienstadt wegen ihres hohen Alters nicht zur Arbeit einteilte, erhielt sie noch geringere Lebensmittelrationen als andere. Sie litt an Unterernährung und Isolation. Am 15. September 1943 starb Anna Paroubek im Alter von 73 Jahren an den unmenschlichen Lebensbedingungen in Theresienstadt. Die Lagerleitung verstreute ihre Asche an einem unbekannten Ort. (Text Reinhard Weber, Lektorat C. Fritsche)
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