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Oster
Foto undatiert, © privat

Lina (Engelinchen) Berta Oster, geb. van Wien

geboren am 11.03.1885 in Schweinfurt, verheiratet, deportiert am 20.11.1941 aus München nach Kaunas, ermordet am 25.11.1941 in Kaunas (05. Kislev 5702).

Eltern

David van Wien, Kaufmann in Würzburg, Babette van Wien, geb. Mayer, in München

Ehepartner

  • Heirat am 20.02.1913 in München mit Dr. med. Armand Oster, Dermatologe, geboren am 03.01.1883 in Köln/Rhein, gestorben am 25.11.1941 in Kaunas.

Kind(er)

  • Kurt Rolf, geboren am 27.11.1913 in München
  • Liselotte, geboren am 30.09.1919 in München

Adressen in München

  • Angertorstraße 4 (seit 03.02.1912)
  • Winzererstraße 52 (seit 02.03.1913)
  • Theatinerstraße 48 (seit 03.07.1934)
  • Thierschstraße 5 (seit 09.04.1937)
  • Lindwurmstraße 13 (seit 15.06.1937)

Weitere Informationen

Lina „Engelinchen“ Berta van Wien kam am 11. März 1885 in Schweinfurt als Tochter der Kaufleute Babette und David van Wien zur Welt. Sie wuchs mit sechs Geschwistern in großbürgerlichen Verhältnissen auf und besuchte das Lyzeum. Am 22. Januar 1913 heiratete sie Dr. Armand Oster. Er war am 3. Januar 1883 Köln geboren worden und hatte ein Jahr zuvor in München seine Approbation als Dermatologe erhalten. Armand und Engelinchen Oster zogen nach München und lebten dort in einer Erdgeschosswohnung in der Winzererstraße 52. Seine Praxis betrieb Armand Oster in der Dachauer Straße. Während des Ersten Weltkriegs diente er als Militärarzt, unter anderem bei der Flugstaffel in Schleißheim. Armand Oster war vielseitig engagiert: Er war Mitglied eines Schachclubs, „Alter Herr“ bei zwei Studentenverbindungen und seit 1929 Mitglied des FC Bayern, dem auch sein Sohn Kurt angehörte.

Mit Beginn der NS-Herrschaft änderte sich das Leben der jüdischen Familie grundlegend. Im September 1938 entzog das NS-Regime Armand Oster seine Approbation und damit die Existenzgrundlage. Um sich über Wasser zu halten, vermieteten Armand und Engelinchen Oster zeitweise Zimmer unter, inzwischen in der Lindwurmstraße 13, wohin sie 1937 hatten umziehen müssen. Ihren Kindern gelang die Flucht aus Deutschland: Kurt Oster emigrierte 1938 nach Argentinien, Lieselotte Oster ein Jahr später nach Großbritannien. Armand und Engelinchen Oster versuchten, ihrem Sohn nach Argentinien zu folgen. Armand Oster lernte sogar Spanisch und gab jüdischen Bekannten Sprachunterricht, doch es gelang dem Paar nicht, rechtzeitig die notwenigen Papiere zu erhalten. In Deutschland wurde „der Horizont (…) immer düsterer“, wie es in einem ihrer Briefe heißt. Seit Sommer 1941 musste die herzkranke Engelinchen Oster in einer Druckerei Zwangsarbeit leisten, Armand Oster in einer Gärtnerei. Am 20. November 1941 deportierte die Gestapo das Paar zusammen mit rund 1.000 weiteren jüdischen Münchnerinnen und Münchnern nach Kaunas. Dort erschoss die SS fünf Tage später alle Verschleppten, auch Armand und Engelinchen Oster. (Text Barbara Hutzelmann, Lektorat Ch. Fritsche)

 

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