
Dr. Franz Pollitzer
Chemiker, geboren am 14.11.1885 in Gablonz, Böhmen (Jablonec nad Nisou, Tschechien), verheiratet, emigriert nach Paris, FR, deportiert am 09.09.1942 aus Drancy (Lager) nach Auschwitz, ermordet in Auschwitz.
ElternAdam Pollitzer, Kaufmann in Berlin, Pauline Pollitzer, geb. Spitzer
Ehepartner
-
Heirat am 01.06.1927 in München mit Katharina Pollitzer, geb. Megele, geboren am 24.02.1890 in Memmingen.
Die Ehe galt als Mischehe.
- Johann Bernhard, geboren am 30.12.1911 in München
Adressen in München Zugezogen am 01.01.1911
- Türkenstraße 15a
- Mendelssohnstraße 2 (seit 15.04.1919)
- Lerchenfeldstraße 8 (seit 15.10.1919)
- Solln, Henirich-Vogl-Straße 10 (seit 27.03.1923)
Franz Pollitzer, der vier ältere Geschwister hatte, wurde in Böhmen geboren. Seit 1891 lebte er mit seiner Familie in Berlin. 1904 legte er an der Louisenstädtischen Oberrealschule das Abitur ab. Danach begann er ein Chemiestudium an der Berliner Universität, das er zwei Semester lang in Wien fortsetzte, wo er der katholischen Kirche beitrat. Zum Sommersemester 1905 kehrte er nach Berlin zurück. 1909 wurde er an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin mit einer Studie zum Gleichgewicht zwischen Schwefelwasserstoff und Jod bei Nobelpreisträger Walther Nernst zum Dr. phil. promoviert. Bis zu seinem Umzug nach München im Januar 1911 war er dessen Assistent.
Seit 1911 arbeitete Pollitzer bei "Lindes Eismaschinen" in Höllriegelskreuth. Franz Pollitzer war Leiter des chemischen Labors und der Abteilung für Edelgasgewinnung. Seine Hauptaufgabe war die Konzeption von Geräten und Methoden für Luftverflüssigungsverfahren. 1938 wurde er, wie auch sein Kollege Paul Borchardt, als sog. "Aktionshäftling" nach Dachau eingeliefert. Sein Arbeitgeber Karl von Linde und Walther Meißner von der TH München setzten sich für ihn ein. Im Dezember 1938 wurde er mit der Auflage freigelassen, Deutschland unverzüglich zu verlassen. Nach Verlust eines Großteils seines Vermögens an nationalsozialistische Behörden emigrierte das Ehepaar Pollitzer am 13. April 1939 nach Paris, wo Franz bis Kriegsbeginn bei Air Liquide arbeitete.
Nach seiner Internierung als 'feindlicher Ausländer' zogen die Pollitzers nach Arthès. Dort wurde Franz, der als ausländischer und staatenloser Jude galt, im August 1942 verhaftet und im Lager Saint-Sulpice-la-Pointe interniert. Es ist anzunehmen, dass er Anfang September 1942 mit anderen Internierten des Lagers nach Drancy deportiert wurde. Von dort wurde er am 09.09.1942 mit dem 30. Konvoi nach Auschwitz deportiert. Von den rund 1000 Personen dieser Deportation sind 43 Überlebende bekannt.
Seine Ehefrau remigrierte im Oktober 1946 von Meudon bei Paris nach München.
Werke: Über das Gleichgewicht der Reaktion H2S + 2 J = 2 HJ + S und die Dissoziation des Schwefelwasserstoffs. (Dissertation Berlin 09.10.1909) Bemerkung über die Wärmetönung des Clark-Elements. Z. phys. Chem., 74 (6):748, 1910. Bestimmung spezifischer Wärmen bei tiefen Temperaturen und ihre Verwertung zur Berechnung elektromotorischer Kräfte. In: Z. Elektrochemie, 17 (1), S. 5 - 14, 1911. Zur Wärmedynamik des Clark-Elements. Z. phys. Chemie, 78 (3) , S. 374 - 383, 1911. Die Berechnung chemischer Affinitäten nach dem Nernstchen Wärmetheorem. Mit einem Vorwort von Walther Nernst. Stuttgart, 1912 Bestimmung spezifischer Wärmen bei tiefen Temperaturen und ihre Verwertung zur Berechnung elektromotorischer Kräfte. II. in: Z. Elektrochemie 19 (13), S. 515-518, 1913. Diverse Patente.
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