Clara Rosenthal, geb. Wolff
geboren am 17.01.1870 in Tilsit, Ostpreußen, verwitwet, Suizid am 15.11.1938 in München (21. Cheshvan 5699).
ElternJulius Wolff, Lina Wolff, geb. Rothenberg
Geschwister
- Anna Frankenthal, geboren 1869 Ratzeburg, Kr. Ortelsburg, Ostpreußen, gestorben 1927 Hamburg
- Richard, geboren in Hamburg, gestorben 1908 New York
- Dr. med. Arthur, geboren 1880 New York, gestorben 1920 Berlin
- Heirat am 26.06.1895 in Berlin mit Max Rosenthal, Kaufmann, Privatier, geboren am 28.04.1855 in Lautenburg, Kr. Straßburg, gestorben am 19.12.1936 in München.
- Ernst, geboren am 14.02.1897 in Saarbrücken
Adressen in München Zugezogen am 15.03.1901 von Saarbrücken
- Mathildenstraße 12 (seit 15.03.1901)
- Nußbaumstraße 8 (seit 04.04.1907)
- Steinheilstraße 20 (seit 01.03.1937)
- Sendlinger Straße 34
- Sendlinger-Tor-Platz 6 (seit 01.12.1937)
Clara Rosenthal verübte in Zusammenhang mit den erschreckenden Ereignissen des Novemberpogroms durch Einnahme von Veronal Suizid. Sie starb im Israelitischen Krankenheim.
Sohn Ernst besuchte das Theresien-Gymnasium und legte das Abitur am Realgymnasium ab. Im Frühjahr 1915 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger, erhielt für seinen Einsatz das EK und das Bayr. Verdienstkreuz. Von 1919 an Philosophiestudium in München. 1927 erschien sein Werk "Das Wesen der Welt", im folgenden Jahr bereits die 2. Auflage.Verzog 1929 nach Hamburg. Im selben Jahr nahm er den Namen "Heinrich Hellmund" an. Promotion bei August Messer in Gießen mit "summa cum laude". Im Februar 1933 emigrierte er von Hamburg in die Schweiz. Nach Aufenthalten in Basel und Genf emigriert er im Juli 1936 zunächst nach Chambéery, Frankreich, dann lebte er in Paris. Die letzten Nachrichten von ihm stammen vom Juni 1937, kurz nach seiner Rückkehr von einer Vortragsreise in Schweden. Über seinen (bis heute nicht aufgeklärten Tod) berichtete Le Matin, Paris, v. 15.12.1937: Zwei Jäger aus Salmaise (Kanton Venarey-les-Laumes), einem kleinen Dorf ungefähr 40 km von Dijon entfernt, entdeckten in dem Wald ein Skelett (eines Mannes), das mit Ketten an Bäume gebunden war. ... Das Skelett eines Mannes war mit den Beinen an den Stamm eines jungen Baumes gebunden und die Ketten waren mit Vorhängeschlössern versehen. Die Unterarme waren verschwunden, ohne Zweifel durch Tiere verschleppt. Andrerseits entdeckte man mehrere andere Ketten, deren verwendung man nicht bestimmen konnte, Riemen, Stricke und fünf Vorhängeschlösser. Der Kopf des Unglücklichen lehnte an einem ziemlich großen Koffer und der Torso lehnte an einem Rucksack aus Tirol. ... Von den Kleidungsstücken des Toten fand man nur einige Lumpen. Ebenso entdeckte man einige Papiere, unter ihnen eine Fahrkarte von Paris nach Dijon, eine Visitenkarte mit der Aufschrift "Gräfin Hamilton aus Stockholm", ebenso einen Empfangsschein auf den Namen Berger, der im letzten Juni am Gare de l'Est ausgestellt war, betreffs die Absendung von fünf Koffern an einen unbekannten Bestimmungsort. ... Der Tod wird vor ungefähr sechs Monaten eingetreten sein. Die sterblichen Überreste sind wahrscheinlich die eines deutschen Philosophen, der seit letztem Juni verschollen ist. ... Seit Ende Juni hat keiner der Freunde Hellmunds irgendwelche Nachricht von H. Hellmund erhalten.
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